Begriffe

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Kurzbeschreibung

Asset Deal

Einzelrechtsnachfolge. Kauf einzelner Aktiven. Der Käufer übernimmt dadurch weniger Risiken als bei einem Share Deal (Beteiligungskauf). Alle zu übernehmenden Verträge für Personal, Versicherungen, Einkäufe u.a. werden einzeln auf den Käufer übertragen. Ein Asset Deal kann aus verschiedenen Gründen in Frage kommen: Kauf einer Personengesellschaft, Kauf der gesunden Teile aus einem finanziell angeschlagenen Unternehmen; Kauf eines einzelnen Geschäftsbereichs. Gewinne aus Asset Deals sind steuerpflichtig.

Branchenrisiko

Das Branchenrisiko wird im Kapitalisierungszinssatz berücksichtigt. Jede Branche hat ihr eigenes Risikoprofil. Die Gastro- oder Baubranche haben ein anderes Risiko als die Pharma- oder Automatisationsbranche. Aspekte des Branchenrisikos sind das Wachstumspotenzial, der Wettbewerbs- und Preisdruck sowie der voraussichtliche Technologiewandel.

Businessplan

Darstellung des Unternehmens mit allen finanziellen Informationen, der Organisation und den massgebenden Werttreibern. Es gibt Standardvorlagen, um einen solchen Plan zu erstellen. Die meisten Banken bieten Downloads an. Die Form hingegen ist nicht so wichtig. Für einen Kreditantrag zur Finanzierung einer Kauftransaktion ist ein vollständiger Businessplan notwendig.

DCF-Methode

Diskontierung der zukünftigen freien Cashflows. Standardmethode bei grösseren Transaktionen, bei KMU noch nicht etabliert.

Due Diligence

 

Prüfung des Unternehmens durch den Käufer. Es gibt keine gebräuchliche Übersetzung für diesen anglo-amerikanischen Begriff. Er entspricht etwa der Formulierung „die nach den Umständen notwendige Sorgfalt“. Eine Due Diligence kann als Desk Research bis zur umfangreichen hausinternen Prüfung ausgestaltet sein und sich auf verschiedene Bereiche beziehen, z.B. Finanzen, Steuern, Verträge, Umwelt

Ebit

Earnings Before Interests and Taxes

Gewinn vor dem Abzug von Zinsen und Steuern. Dieser Begriff wird oft verwendet und dient als Faustregel für die schnelle Ermittlung einer Bandbreite für den  Unternehmenswert.  

Ebitda

Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortization

Gewinn vor dem Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Der Ebitda ist eine Kombination von Ebit und Cashflow. Der Ebitda neutralisiert die Abschreibungen, weil diese nach unterschiedlichen Modellen berechnet werden können.

Ertragswert

Kapitalisierung konstanter Durchschnittsgewinne mit einem Zinssatz, welcher den Unternehmensrisiken Rechnung trägt.

EVA

Economic Value Added

 

Wirtschaftlicher Mehrwert. Eine Methode zur Berechnung eines „Übergewinns“, welcher eine definierte Zielrendite übersteigt. Diese Methode wird bei grossen Unternehmen angewendet, hat sich aber bei den KMU (noch) nicht durchgesetzt.

Fortführungswert

 

Der Unternehmenswert wird bei der Substanzwertmethode normalerweise zu Fortführungswerten berechnet, weil die meisten Unternehmen zur Weiterführung verkauft werden. Die Bilanzwerte der Aktiven werden zu Marktwerten eingesetzt.

Freier Cashflow

Der freie Cashflow ist die Basisgrösse bei der DCF-Methode. Im Gegensatz zum betrieblichen Cashflow (Reingewinn vor Abschreibungen und Rückstellungen) werden hier auch die Investitionen und Veränderungen im Umlaufvermögen mitberücksichtigt. Der freie CF gibt den Zu- oder Abfluss von Mitteln an.

Gegenwartswert

Der Gegenwartswert wird bei der DCF-Methode ermittelt. Er basiert auf den diskontierten Planungswerten zukünftiger Perioden (meistens 5 Jahre). Mit dem Kapitalisierungszinssatz werden zukünftige Geldströme auf den aktuellen Betrachtungszeitpunkt diskontiert. Tausend Franken, die in drei Jahren eingehen, entsprechen heute einem tiefern Wert. 

Goodwill

Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem bilanzierten Eigenkapital. Der Goodwill kann auch als immaterielles Kapital bezeichnet werden. Dieses ist nicht bilanziert und wird anhand des Ertragswerts berechnet.

Immaterielle Aktiven

Als solche gelten die Verkaufsorganisation, Marken, Software, das Know-how eines Unternehmens oder  die Qualifikation des Personals. Die meisten immateriellen Aktiven sind  nur schwer in Geldbeträge umzurechnen. Deshalb werden diese indirekt über den Ertragswert berechnet und entsprechen der Differenz zum finanziellen Kapital gemäss Bilanz. Sie sind mit dem Goodwill gleichzusetzen.

Indirekte Teilliquidation

Begriff aus dem Steuerrecht. Wenn der Kaufpreis aus dem Ertrag des gekauften Unternehmens bezahlt wird, kann diese Steuerfalle zuschnappen. Einen Kapitalgewinn, welchen der Unternehmer als steuerfrei betrachtet, kann die Steuerbehörde unter Umständen als steuerbarer Gewinn qualifizieren. Deshalb Vorsicht bei kreativen Transaktionsmodellen. Bei jedem Unternehmensverkauf  ist eine Steuerberatung zu empfehlen.

Kapitalisierungszinssatz

 

Mit dem Kapitalisierungssatz werden die Gewinne kapitalisiert. Bei einem KMU-Verkauf bezieht sich dieser Zinssatz meistens auf die Kosten für Eigenkapital. Ausgehend von einem risikolosen Anlagenpapier werden Zuschläge für das operative Risiko, das Branchenrisiko und das Liquiditätsrisiko berechnet. Diese Zuschläge sind Ermessenssache. Zu berücksichtigen ist  das Klumpenrisiko, das der Käufer beim Investment seiner gesamten Ersparnisse eingeht. Tendenziell wird mit einem zu tiefen Kapitalisierungssatz gerechnet. Das ist einer der Gründe,  weshalb die realisierten Verkaufspreise oft deutlich vom berechneten Unternehmenswert abweichen. 

Kapitalnachweis

Bestätigung einer Bank, dass der potenzielle Käufer über flüssige Mittel oder Liquiditäts-ähnliche Depots in der Höhe von dem  Kaufbetrag verfügt. Dieser Nachweis hat keine Garantiefunktion. Er ist aber ein aussagekräftiges Dokument und beweist, dass der Kaufinteressent über die notwendigen Mittel verfügt um den Kaufpreis zu finanzieren. Das Risiko, dass ein Deal wegen der fehlenden Finanzierung platzt, wird dadurch reduziert. Für den Kapitalnachweis kann der Käufer auch Depotauszüge, Versicherungspolicen oder ähnliche Dokumente präsentieren.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Price-Earnings-Ratio - kurz P/E

In der Börsenwelt gehört dieser Begriff zum Alltag. Ein Aktienkurs wird mit dem tatsächlichen oder geplanten Reingewinn ins Verhältnis gesetzt. Die Aktienkurse ähnlicher Branchenunternehmen bewegen sich meistens innerhalb einer relativ schmalen Bandbreite. Aktien von Unternehmen der Maschinenindustrie werden beispielsweise tiefer bewertet als solche der Pharmabranche.

Latente Steuern

Latente Steuern werden bei der Substanzwertmethode und bei nicht betriebsnotwendigen Aktiven vom Kaufpreis abgezogen. Es handelt sich um die zu bezahlenden Steuern auf stillen Reserven, wenn diese durch den Verkauf von Aktiven aufgelöst werden. Auch bei überschüssiger Liquidität werden die latenten Steuern abgezogen, weil der neue Inhaber diese beim Bezug selber versteuern muss.

Liebhaberwert

Wertansatz, welcher losgelöst vom zu erzielenden Ertrag zustande kommt. Das ist der Fall, wenn der Käufer ein Unternehmen oder eine Sache unbedingt besitzen möchte. Dabei können Emotionen eine grosse Rolle spielen. Das gilt vor allem für Kunstobjekte, Antiquitäten oder spezielle. In seltenen Fällen wird für ein ganz spezielles Unternehmen ein Liebhaberwert bezahlt.

Liquidationswert

In Ausnahmefällen wird eine Wertberechnung zu Liquidationswerten durchgeführt, wenn z.B. für ein Detailhandelsgeschäft der Mietvertrag gekündigt wird, Kapitalgläubiger ihr Geld sofort zurückhaben wollen (Liquiditätsprobleme), bei einer drohenden Überschuldung (OR 725) oder wenn bei gesundheitlichen Problemen des Firmeninhabers kein Stellvertreter zur Verfügung steht oder wenn der Zeitpunkt für den Verkauf des Unternehmens verpasst wurde.

Liquiditätsrisiko

Dieses Risiko wird im Kapitalisierungszinssatz berücksichtigt und ist bei einer KMU-Transaktion nicht zu unterschätzen. Ein Grund ist, dass die Handelsmöglichkeiten für KMU-Gesellschaftsanteile oft nur beschränkt sind.  Aktien von Gesellschaften, welche an der Börse gekauft werden, können die Eigentümer täglich wieder verkaufen. Bei diesen besteht kein Liquiditätsrisiko. Werden die Inhaber nach einem Management-Buy-in aus wichtigen Gründen zu einem Wiederverkauf gezwungen, kann es äusserst schwierig sein das Investment kurzfristig gleichwertig wieder zu realisieren.

Multiples

Damit wird ein Multiplikationsfaktor bezeichnet, mit welchem eine unternehmerische Grösse zum Unternehmenswert hochgerechnet wird. Das Multiple kann sich auf Ertragsgrössen (z.B. Ebit), den Umsatz oder umsatzrelevante Mengen (z.B. Anzahl Kunden, Adressen) beziehen. Dabei vergleicht man mit branchenbezogenen Erfahrungswerten.

Operationelles Risiko

Das operationelle Risiko wird im Kapitalisierungszinssatz berücksichtigt. Es betrifft das allgemeine unternehmerische Risiko, dem jedes Unternehmen ausgesetzt ist. Risikolose Unternehmen gibt es nicht.

Residualwert

Der Residualwert entspricht dem Fortführungswert, der auf der Basis des letzten Planungsjahrs berechnet wird. Er kann als „ewige Rente“ bezeichnet werden und wird bei der DCF-Methode zum Gegenwartswert addiert.

Risikoprofil

Das Risikoprofil ist eine systematische Beurteilung der im Unternehmen latent vorhandenen Risiken. Es ist Bestandteil der Bewertung. Massgebend sind die Eintretenswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen. wenn das Risiko eintritt. Dabei sind besonders jene Risiken zu berücksichtigen, welche die Substanz angreifen können. Dazu gehören beispielsweise der Verlust von Kunden und Schlüsselpersonen, Reputationsrisiken, Produktrückrufe  oder  Substitutionsprodukte. Viele solcher Risiken lassen sich versichern, wobei die Prämien bei der Kaufpreisberechnung zu berücksichtigen sind.

Share Deal

Gesamtrechtsnachfolge. Gegenstand der Transaktion sind Aktien oder Stammanteile einer GmbH. Alle Rechtsgeschäfte, welche durch das zu verkaufende Unternehmen eingegangen worden sind, gehen auf den neuen Eigentümer über. Kapitalgewinne aus dem Beteiligungsverkauf sind in der Regel steuerfrei, wenn diese zum Privatvermögen des Verkäufers gehörten. Die meisten Transaktionen werden als Share Deal abgewickelt.

Transaktionsmodell

Das Transaktionsmodell ist ein Teil des Kaufvertrages und hält die Bedingungen der Transaktion fest. Es enthält u.a. den Zeitpunkt und die Abwicklung der Eigentumsübertragung, die Zahlungsmodalitäten, Garantien des Verkäufers und die Mitarbeit des abtretenden Unternehmers. Zudem kann damit auch der Preis durch Leistungsvereinbarungen abgefedert werden im Hinblick auf Risiken oder Chancen, die zum Zeitpunkt der Transaktion nur unvollständig zu beurteilen sind.  

WACC

Weighted Average Cost of Capital

Beim WACC handelt es sich um einen gewichteten Kapitalisierungszinssatz aus den Kosten für Eigen- und Fremdkapital. Dieser Begriff wird in der Finanzwelt oft im Zusammenhang mit grossen Unternehmen verwendet. Transaktionen für KMU werden meistens vollständig mit Eigenkapital finanziert. Deshalb hat sich dieser Begriff dort noch nicht durchgesetzt.

Werttreiber

 

Unternehmerische Fähigkeiten, welche im besonderen Mass die Wertschöpfung beeinflussen. Bei einem Unternehmensverkauf sind die Werttreiber danach zu beurteilen, wie sich diese in Zukunft entwickeln werden.